...Der Mut mit dem Risiko des Scheiterns kennzeichnet die Arbeit von Ursula Jüngst. Sie setzt sich der Farbe aus, lebt in ihr. Die Bilder ent-wickelt sie ohne festgelegte Konzeption, rein aus dem Vorgang des Malens und dem ständigen Dialog mit den Farben. In diesem Prozeß entstehen, geboren aus den sich überlagernden Farben und dem Pinselductus, rätselhafte Formen, scheinbar greifbar und sich dennoch der Eindeutigkeit entziehend, Wolkenbildern vergleichbar ...Offensichtlich geht eine Kraft von den Bildern aus, die in der Intensität und der Spannweite der Farben begründet ist, von mediterraner Helligkeit bis zum düsteren Todestunnel. Viele Betrachter scheinen in der Ästhetik der Bilder von Ursula Jüngst eine Ahnung zu gewinnen der von «Archäologie des Unbewußten» in ihrer tiefenpsychologischen, metaphysischen, religiösen Dimension. Die Begegnung mit den Bildern spricht im ästhetischen Erleben existentielle Räume in uns an. Die Arbeiten von Ursula Jüngst unter-scheiden sich insofern wohltuend von gegenwärtigen Strömungen post-strukturaler Beliebigkeit. Sie zeigen auch, daß die Möglichkeit von Farbe und Malerei, gegenwärtig im Kunstbetrieb eher zurückgedrängt zugunsten von ready-mades, Konzeptart, Computeranimationen etc., noch lange nicht ausgeschöpft sind, ja neue Aufbrüche erlauben (vgl. Katalog: Ursula Jüngst «die Azulen»). Sie sind modern, da sie den Menschen in seiner Leere und metaphysischen «Unbehaustheit» ansprechen.
Dr. Karl v. Schmölling