Der künstlerische Impetus der Malerin Ursula Jüngst ist ihre Liebe zur Farbe, ihr Konzept und ihre Inspirationsquelle ist die Farbe selbst.
Seit Beginn ihres Schaffens arbeitet die Künstlerin unkonventionell: Sie nimmt keine Rücksicht auf zeitgenössische Trends und lässt sich nicht von Strömungen des Kunstmarkts beeindrucken.
Jüngst zeigt uns ihre Auffassung des Kosmos als Farbrausch, der sich nicht an der Dingwelt orientiert.
Über der kaum mehr sichtbaren, flächigen, zum Teil lasierenden Untermalung beginnen sich Zentren zu bilden, aus denen die Farbe herauszuwachsen oder in die sie einzudringen scheint. Die Untermalung beschreibt den Ausdruck erster Gefühle beim Kennenlernen der Malfläche.
Für die Künstlerin selbst schildert ihre Malerei die Vogelperspektive über dem Makrokosmos und das Eintauchen in den Mikrokosmos. Sie wird durch diesen Übergangsbereich der zweidimensionalen Fläche während des malerischen Prozesses zum dreidimensionalen Raum inspiriert.
Ein emotionaler Duktus in strudelartiger Bewegungsrichtung mit rasch wechselnden Kontrasten in satter Farbigkeit aktiviert die Bildenergie. Ganz selten nur findet sich ein Ruhepol in den zumeist großformatigen Gemälden. Fast ausschließlich befindet sich die Farbe in Bewegung. Allein durch rhythmische Pinselstriche wird gewissermaßen ein Ordnungssystem erreicht.
Ursula Jüngst plant nie wie das Gemälde letztendlich auszusehen hat und entwickelt das Bild intuitiv während des Malprozesses, bei dem sie sich auf Überraschungen spontan einstellt.
Je größer das Format desto wichtiger wird die gesamte Fläche für ihren Aktionsradius, um im Laufe des Malens in den Bildern aufgehen zu können.
Ursula Jüngsts Bilder stellen keine realen Orte oder Landschaften dar, sondern Seelenlandschaften. Jedoch erfährt die Künstlerin auf ihren Reisen Farbimpulse, durch die ihre Werke neue Aussagen erhalten.
Nach Vollendung eines Werks generiert Ursula Jüngst einen von den Farbklängen des Bildes inspirierten Wortklang als Phantasietitel, den man Sprachen ferner Kulturen zuordnen möchte.
Folglich suggerieren die Bilder den Eindruck von der Natur inspirierten Auf- und Ansichten von Wäldern, Vulkanen oder Panoramen, in deren Dickichte sich unbeschreibbare Zustände fühlen lassen. Am besten lassen sich die Gemälde als All-over-Paintings mit geflechtartigen Strukturen oder Wirbeln ohne gegenständlichen Hintergrund beschreiben.
Der Blick des Betrachters wandert unweigerlich im Fluss dieser Malerei umher. Seine Augen können und wollen sich nicht an irgendeiner Stelle festhalten. Und seine Gedanken beginnen beim Anblick der Gemälde frei zu schweifen.
Das rational Nicht-Begreifbare und die Infragestellung des Begreifbaren sind Ziel von Ursula Jüngsts Malerei.
Barbara Leicht M.A.